Wechseljahre aus Sicht der TCM
Was sich im Körper verändert – und wie TCM, Shiatsu und Tuina diese Lebensphase
begleiten können.
Kurz vorweg: Beschwerden in den Wechseljahren sind individuell. Die folgenden TCM-Erklärungen dienen der Orientierung und ersetzen keine ärztliche Diagnose. Bei starken, neuen oder ungewöhnlichen Beschwerden ist eine medizinische Abklärung sinnvoll.
Was sind die Wechseljahre?
Die Wechseljahre sind keine Krankheit, sondern eine natürliche Lebensphase. Sie beginnen meist mit der Perimenopause: Der Zyklus wird unregelmäßiger, Eisprünge werden seltener und die Hormonspiegel schwanken stärker. Mit der Menopause endet die Menstruation dauerhaft; medizinisch wird sie rückblickend festgestellt, wenn zwölf Monate keine Regelblutung mehr aufgetreten ist.
Aus westlich-medizinischer Sicht spielen vor allem Veränderungen von Östrogen und Progesteron eine wichtige Rolle. Dadurch können Hitzewallungen, Nachtschweiß, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Konzentrationsprobleme, vaginale Trockenheit, Beschwerden beim Sex, häufigere Harnwegsbeschwerden sowie Muskel- und Gelenkbeschwerden auftreten. Nicht jede Frau hat alle Beschwerden – manche spüren kaum etwas, andere erleben die Umstellung sehr deutlich.
Wie betrachtet die TCM die Wechseljahre?

Die Traditionelle Chinesische Medizin verwendet ein anderes Erklärungsmodell als die westliche Medizin. Sie spricht nicht von Östrogenmangel, sondern betrachtet das Zusammenspiel von Yin und Yang, Qi, Blut, Körpersäften und Jing (Essenz). In klassischen TCM-Modellen steht in dieser Lebensphase besonders der Funktionskreis Niere im Mittelpunkt.
Vereinfacht kann man Yin als kühlenden, nährenden und befeuchtenden Anteil beschreiben, Yang als wärmenden und antreibenden Anteil. Wenn Yin im Laufe des Lebens abnimmt, kann die kühlende Gegenkraft schwächer werden. Dann können aus TCM-Sicht Hitzegefühle, Nachtschweiß, trockene Schleimhäute oder innere Unruhe entstehen. Bei anderen Frauen steht eher eine Yang-Schwäche mit Kälte, Erschöpfung oder Antriebsmangel im Vordergrund. Häufig gibt es Mischbilder.
Auch Leber, Herz und Milz können im TCM-Muster eine Rolle spielen. Deshalb ist „Wechseljahre = Nieren-Yin-Mangel“ zu einfach. Zwei Frauen mit Hitzewallungen können aus TCM-Sicht unterschiedliche Muster haben.
Häufige Beschwerden in den Wechseljahren

Typische Beschwerden – unterschiedliche Muster
- 🔥 Hitzewallungen und Nachtschweiß: häufig mit Yin-Mangel und sogenannter Leere-Hitze
beschrieben, aber nicht ausschließlich. - 🌙 Schlafprobleme und innere Unruhe: können in TCM-Modellen unter anderem mit Herz, Shen, Blut, Yin oder einer Disharmonie zwischen Herz und Niere verbunden werden.
- ⚡ Reizbarkeit und emotionale Spannung: werden häufig im Zusammenhang mit
Leber-Qi-Stagnation betrachtet. - 🧠 Erschöpfung und Brain Fog: können je nach Gesamtbild mit Qi-Mangel, Blut-Mangel,
Nieren-Schwäche oder Feuchtigkeit/Schleim in Verbindung gebracht werden. - 💧 Trockenheit und Gelenksbeschwerden: wird in der TCM oft als Hinweis auf zu wenig Yin oder Körpersäfte verstanden.
Wie können Shiatsu und Tuina unterstützen?
Shiatsu und Tuina können Frauen in dieser Lebensphase auf körperlicher und emotionaler Ebene begleiten. Je nach individuellem Beschwerdebild können unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden – etwa Entspannung, Regulation, das Lösen von Verspannungen oder die Unterstützung des allgemeinen Wohlbefindens.

Shiatsu und Tuina können den hormonellen Umbau nicht rückgängig machen und ersetzen keine Hormontherapie.
Ihr sinnvoller Platz liegt als ergänzende Körperarbeit: Berührung, Druck, Mobilisation und ruhige Behandlung können Entspannung, Körperwahrnehmung und das subjektive Wohlbefinden unterstützen.
Besonders wenn Stress, Muskelspannung, Nacken- oder Rückenbeschwerden und das Gefühl, „nicht mehr herunterzukommen“, gleichzeitig auftreten, kann Körperarbeit als angenehm erlebt werden.
Für die direkte Behandlung von Hitzewallungen oder anderen hormonbedingten Beschwerden ist die wissenschaftliche Evidenz für Massageformen wie Shiatsu und Tuina begrenzt. Deshalb sollte eine seriöse Darstellung nicht versprechen, dass Shiatsu „Hormone reguliert“. Sinnvoller ist: Beschwerden ganzheitlich begleiten, Entspannung fördern und die Behandlung an das
individuelle Befinden anpassen.
TCM Ernährung in den Wechseljahren
Auch die Ernährung spielt in der TCM eine wichtige Rolle. Welche Lebensmittel sinnvoll sind, hängt vom individuellen Muster ab. Während bei manchen Frauen kühlende und Yin-nährende Lebensmittel im Vordergrund stehen, benötigen andere eher wärmende und stärkende Mahlzeiten.

Eine einzelne „TCM-Wechseljahresdiät“ gibt es nicht. Sinnvoll ist eine überwiegend ausgewogene Ernährung mit ausreichend Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Eiweiß und hochwertigen Omega 3 Fetten.
Für Knochen und Muskeln sind unter anderem ausreichendes Eiweiß, Calcium und Vitamin D und K2 wichtig. Es gibt weiters viele TCM Kochrezepte und chinesische Kräuter, die unterstützend begleiten.
Aus TCM-Sicht wird zusätzlich nach dem Muster unterschieden. Bei Hitze und Trockenheit können saftige, milde Speisen und ausreichend Flüssigkeit angenehm sein. Bei ausgeprägter Kälte, weichem Stuhl oder schwacher Verdauung können warme gekochte Mahlzeiten besser passen. Sehr viel Alkohol kann Hitzewallungen und Schlafprobleme verstärken; auch Koffein oder sehr scharfes Essen sind bei manchen Frauen Trigger.
Auch bei der Ernährung kann ich dich zusätzlich beratend unterstützen und begleiten!
Akupressur für zu Hause
Einige Akupressurpunkte können auch selbst sanft stimuliert werden. Welche Punkte sinnvoll sind, hängt von den jeweiligen Beschwerden und dem individuellen TCM-Muster ab.
Ni 3 (Taixi): in der Vertiefung zwischen Innenknöchel und Achillessehne. In der TCM häufig zur Unterstützung des Nieren-Funktionskreises verwendet.
Perikard 6 (Neiguan): etwa drei Fingerbreit oberhalb der Handgelenksfalte zwischen zwei Sehnen. Wird traditionell bei innerer Unruhe und Übelkeit eingesetzt.

Le 3 (Taichong): auf dem Fußrücken zwischen erstem und zweitem Mittelfußknochen. In der TCM häufig bei Spannung und Leber-Qi-Stagnation verwendet.
Praktisch: einen gut tastbaren Punkt 30–60 Sekunden angenehm, aber nicht schmerzhaft drücken und ruhig atmen.
Individuelle Begleitung in den Wechseljahren
Jede Frau erlebt die Wechseljahre anders. Deshalb richtet sich auch meine Behandlung nach deinen persönlichen Beschwerden, deiner aktuellen Lebenssituation und dem, was dein Körper gerade braucht.
Wenn du dich in dieser Lebensphase körperlich erschöpft, angespannt oder aus dem Gleichgewicht fühlst, kann eine individuell abgestimmte Shiatsu- oder Tuina-Behandlung eine ergänzende Möglichkeit sein, dir Zeit für Entspannung und Körperwahrnehmung zu nehmen.
In meiner Praxis in Wien 1220 verbinde ich langjährige Erfahrung in der Körperarbeit mit meinem Wissen aus Shiatsu, Tuina und TCM.